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Brief aus Kathmandu
Rundschreiben der Edition Kathmandu · Nr. 3 · Winter 2009
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1 Taubenschwarm im Langtang-Tal. (phi)
Liebe Leser: Namaste.

Seit vor einem Jahr die Nullnummer dieses Rundschreibens erschien, hat sich die Edition Kathmandu vom Zwei- zum Dreibücherverlag gemausert. Wir hoffen, Ihnen im kommenden Jahreszeitraum mehr als einen neuen Titel vorlegen zu können. Indes haben wir lernen müssen, daß unsere Hoffnungen oft größer sind als unsere Möglichkeiten.
 Daher sind wir für alle Formen der Unterstützung dankbar. Die Bono-Direkthilfe e.V. zum Beispiel legt nun schon zum dritten Mal ihrem Jahresbericht unser Werbematerial bei und weist auf unsere Bücher hin. Diesmal haben wir uns mit einer literarischen Spende revanchiert. Meine Übertragung des Gedichts »Bald« vom indischen Bestseller-Autor Vikram Seth finden Sie auf der Rückseite des Jahresberichts 2010.
 Auch Sie können uns unterstützen, indem Sie dieses Rundschreiben weiterleiten, Ihren Freunden von uns erzählen, im Internet Empfehlungen und Rezensionen hinterlassen – und natürlich indem Sie jede Gelegenheit nutzen, um unsere Bücher zu verschenken!

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen Ihr

Yas Pali

Essay
Auf dem Boden bleiben

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Philipp P. Thapa, Verleger
philipp@edition-kathmandu.de
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Essay
Auf dem Boden bleiben
Während die Welt in Kopenhagen um ein Übereinkommen zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes ringt, bereite ich mich wieder einmal auf die achttausend Kilometer weite Flugreise zwischen Deutschland und Nepal vor, zum neunten Mal innerhalb von anderthalb Jahren. Meine persönliche Klimabilanz sieht nicht ganz so aus, wie ich es mir wünschen würde.
  Wenn es nur nach mir ginge, würde ich diese Reise viel weniger häufig machen, doch ich sehe mich auch im kommenden Jahreszeitraum zum wiederholten Langstrecken-Pendeln gezwungen. Ja, natürlich: Ich müßte mich diesem Zwang nicht aussetzen. Ich könnte entweder mein deutsches Promotionsstipendium aufgeben oder mit meiner Familie erneut nach Deutschland übersiedeln. Doch will ich derzeit beides nicht. Deshalb stelle ich mir die Frage so: Wie könnte ich die Entfernung zwischen Deutschland und Nepal überwinden, ohne so viel Treibhausgas-Emissionen zu verursachen wie mit einem Flug?
  Die Antwort: Ich müßte mit Bahn, Bus oder Schiff reisen. (Ich könnte auch zu Fuß gehen, aber ich frage hier nach den schnellsten und praktikabelsten klimafreundlichen Alternativen zur Flugreise.) Eine gute Auslastung vorausgesetzt, emittieren diese Verkehrsmittel pro Passagier nur einen Bruchteil der Kohlendioxidäquivalente, die eine gleich weit Flugreise verursacht. Die genauen Zahlen, die unterschiedliche Quellen dazu angeben, weichen stark voneinander ab, aber die Botschaft scheint klar zu sein: Bleib beim Reisen auf dem Boden!
  Zwischen Deutschland und Nepal sind mir drei große Oberflächenrouten bekannt, für die sich jeweils einige Varianten denken lassen. Ich erläutere sie in der Reiserichtung von Deutschland nach Nepal und gehe davon aus, daß der Reisende, so wie ich, EU-Bürger ist.
  Die erste Route, die von Mitteleuropa aus durch Kleinasien, den Mittleren Osten und Nordindien verläuft, können wir als den Klassiker aus der Hippiezeit bezeichnen. Sie war damals vorzugsweise im VW-Bus oder auf dem Moped zurückzulegen, ist aber auch mit Bahn und Bus überwindbar – und wohlgemerkt: Nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln fällt die Klimabilanz der Landreise deutlich besser aus als die der Flugreise. Der Nachteil der Hippie-Route besteht darin, daß im schwer umgehbaren Dreiländereck von Iran, Afghanistan und Pakistan heute Krieg herrscht. Für mich kommt sie deshalb derzeit am wenigsten von allen in Betracht.
  Die zweite Landroute von Deutschland nach Nepal verläuft über Rußland, Kasachstan und den Nordwesten Chinas (Provinz Xinjiang). Bis nach Xinjiang bin ich auf diese Weise bereits einmal gekommen; es dauerte sechs Tage. Die Hauptfrage für eine Reise nach Nepal stellt sich im Anschluß: Wie quert man den Hindukusch-Himalaya-Riegel und die vorgelagerten Gebirge und Hochländer? Variante eins: Die tibetische Hauptstadt Lhasa ist seit 2006 an das chinesische Bahnnetz angeschlossen; von dort aus kann der Landreisende über den sogenannten Friendship Highway im Bus nach Nepal weiterfahren. Diese Fernstraße kann jedoch im Winter durch Schnee, in der Regenzeit durch Erdrutsche tagelang blockiert sein. Variante zwei: Von Xinjiang aus kommt auch eine Busfahrt über den Karakorum Highway nach Pakistan in Frage. Wie bei der Hippie-Route geht es dann mit Bahn und Bus weiter nach Indien und schließlich Nepal.
  Wäre alles nur eine Frage von Fahrpreisen, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit, würde ich vermutlich die Hippie-Route wählen, die inzwischen fast vollständig mit dem Zug befahrbar ist, oder – angesichts der derzeitigen Sicherheitsbedenken – ersatzweise die Karakorum-Variante der Rußland-China-Route. Doch die vielleicht größte Schwierigkeit jeder Landroute ist der Zwang, sich Visen für die Transitländer zu besorgen. Das hat bei den Ländern, von denen hier die Rede ist, in aller Regel bereits in Deutschland zu geschehen und ist schon viele Monate vor der Reise in Angriff zu nehmen. Und die Visapflicht verursacht leider nicht nur viel Voraufwand und Zusatzkosten. Je nach innenpolitischer Lage verwehren es die chinesischen Behörden Ausländern zeitweise gänzlich, in die Provinzen Xinjiang und Tibet einzureisen, und ähnlich scheint das terrorgeplagte Pakistan unschönen Schlagzeilen (»Bus-Bombe zerfetzt deutsche Touristen!«) dadurch vorbeugen zu wollen, daß es Landreisenden das Visum verweigert. Deshalb können im ungünstigsten Fall alle halbwegs direkten Landrouten von Europa nach Südasien versperrt sein.
  Wer, drittens, die Seeroute wählt, hat es da vergleichsweise einfach; er braucht von Europa kommend erst dann ein Visum, wenn er das Schiff in einem indischen Seehafen, etwa Nhava Sheva (bei Mumbai), verläßt. Nepal erreicht er von dort aus mit Bahn und Bus. Das Kernstück der Seeroute ist die zweiwöchige Fahrt durch das Mittelmeer, den Suez-Kanal und das Arabische Meer, die sich wohl am billigsten als Frachtschiffspassagier zurücklegen läßt. Es gibt mehrere Agenturen im deutschsprachigen Raum, die solche Passagen vermitteln. Um Zeit zu sparen, dürfte es sich aber empfehlen, nicht schon an der Nordsee (etwa in Hamburg), sondern erst in einem Mittelmeerhafen an Bord zu gehen und bis dorthin Bahn zu fahren.
  Solche Alternativen zur Flugreise gibt es. Warum also werde ich morgen ins Flugzeug steigen? Weil Fliegen schnell ist: Während ich auf dem Luftweg innerhalb eines Tages nach Kathmandu gelange und insgesamt drei Tage unterwegs bin, würde die Reise auf dem Land- oder Seeweg mindestens zwei Wochen dauern. Und weil Fliegen billig ist: Sind Flüge zwischen Deutschland und Nepal schon für acht- oder neunhundert Euro zu haben, manchmal für weniger, kostet allein die Schiffsreise nach Indien um die dreitausend Euro (wenn auch inklusive Verpflegung). Wenn ich nun mein Leben so einrichte, daß ich dreimal im Jahr zwischen beiden Ländern pendeln muß, habe ich die Wahl, mich dies entweder zweieinhalbtausend Euro und zwei Wochen Reisezeit im Jahr kosten zu lassen, oder zehntausend Euro und zwei Monate Reisezeit, plus Organisationsaufwand. Also fliege ich. Um darauf verzichten zu können, wird mir letztlich doch nichts anderes übrigbleiben, als mein Leben zu ändern.  (phi)

Wissen Sie mehr? Für Ihre sachdienlichen Hinweise zum klimafreundlichen Reisen zwischen Deutschland und Nepal sind wir Ihnen dankbar, und wir veröffentlichen sie gerne in künftigen Brief-Ausgaben. Schreiben Sie an philipp@edition-kathmandu.de.
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2 Geschwister segnen einander an Bhai-Tika. (coe)
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